22 Menschen fanden sich am Volkstrauertag-Sonntag nach Hl. Messe und Gottesdienst in Birk an dem Mahnmal des Friedens zu einer Pause des Gedenkens und einer Kranzniederlegung ein, zu der der Heimatverein Birk eingeladen hatte.

 

Der 1. Vorsitzende Dr. Jörn Hansen hielt folgende Ansprache:

„Vor fast genau 60 Jahren, am 22. November 1942, schloss sich der Kessel von Stalingrad. Die deutsche 6. Armee und Teile anderer Verbände wurden eingeschlossen – rund 195.000 Deutsche, 50.000 einheimische „Hilfswillige“, 5.000 Rumänen ... und Angehörige weiterer Nationen. Rund 60.000 Deutsche fielen den Kämpfen zum Opfer, erfroren im eisigen Winter, verhungerten, starben an einfachen Infektionen. 110.000 Deutsche gingen in Gefangenschaft, die meisten starben auf den Märschen in die Lager oder in den großen Lagern im Umkreis Stalingrads. ... Keine 6.000 von ihnen kehrten später aus der Gefangenschaft zurück, die letzten erst 1955. Über die Rückkehrer anderer Nationalität liegen keine Informationen vor. Wenn wir uns in diesem Jahr besonders an die Toten von Stalingrad erinnern, dann sollten wir nicht die (mindestens) 480.000 Toten auf sowjetischer Seite vergessen. Sie hatten Mütter, Geschwister, Verlobte, Frauen und Kinder wie unsere deutschen Soldaten. ...“
(Auszug aus einem Schreiben des „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“ vom 28.10.2002)

Das, was hier in nüchternen Worten berichtet wird, hat sich bei mir durch eine Reihe guter und schlechter Stalingradfilme mit seiner unfassbaren Grausamkeit fest eingebrannt. So sind es drei Ereignisse, die für mich Brennpunkte der Grausamkeit des zweiten Weltkrieges geworden sind:
* die Schlacht um Stalingrad,
* die Bombardierung Dresdens und
* der Abwurf der Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki.

Stalingrad ist für mich die Inkarnation des Wahnsinns einer Kriegsführung. Lange bewegte mich die Frage, ob diese Schlacht möglicherweise aus einer militärstrategischen Bedeutung zu rechtfertigen sei. Aber nie habe ich von einem Militärexperten gelesen, der diese Frage mit ja beantwortet hat. Im Gegenteil: Der riesige Verlust an Menschen und Material in dieser Schlacht hat letztendlich den Untergang des Dritten Reiches eingeläutet. Für mich zeige diese Schlacht - neben dem Holokaust - überdeutlich die absolute Menschenverachtung des Hitlerregimes selbst gegenüber den eigenen Soldaten.

Dresden: Die Berichte meiner Großeltern, die das Inferno in meiner Geburtsstadt Dresden am eigenen Leibe miterlebten, haben mich tief bewegt. Hier liegt die Situation ganz anders: Geplant und durchgeführt waren die Bombardierungen unserer Städte von Staaten, denen wir Deutsche in dem Krieg bereits großes Leid zugefügt hatten, und die mit diesem Bombardement ihren Gegner schwächen wollten. Es war also nicht die Wahnsinnstat eines Hitlers, sondern nüchternes militärisches Kalkül. Dennoch hatte für eine Kriegsbeeinflussung oder gar Kriegsentscheidung die so genannten „Terror“-Bombardierungen der Städte zur Zermürbung der Zivilbevölkerung keinen Einfluss: So erreichte die Produktion von Kriegsmaterial 1944 seinen Höhepunkt!

Der Abwurf der Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki war nach Meinung vieler Menschen der zweite Sündenfall nach dem von Adam und Eva. Ich selber bin mir hier nicht so sicher. Sicher scheint zu sein, dass er den Pazifik-Krieg mit seinen unermesslichen Grausamkeiten und Menschenopfern beendete. Ob das allerdings das Opfer der Menschen von Hiroschima und Nagasaki wert war, oder ob der Krieg nicht auch ohne diese Opfer zu beenden gewesen wäre, ich habe für mich bis heute keine Antwort gefunden.

Ich bin kein Pazifist und ich lehne militärische Handlungen nicht grundsätzlich ab. So ist meines Erachtens ein Staat, der militärischen Aggressionen eines anderen Staates ausgesetzt ist, durchaus legitimiert, sich mit militärischen Mitteln zu wehren. Das gilt für die Nachbarstaaten Deutschlands im zweiten Weltkrieg, das gilt auch für die Kriege Israels mit seinen Nachbarstaaten, wo es damals um die Existenz des Staates Israel ging.

Jeder Krieg, jede kriegerische Handlung ist mit Grausamkeiten verbunden. So ist es eine absolute Forderung, dass sich jede Krieg führende Partei fragen muss, ob der militärische Einsatz ethisch gerechtfertigt ist und ob die Ziele nicht auch anders erreicht werden könnten. Bei dem drohenden Krieg gegen den Irak bin ich mir nicht sicher, ob er die Lösung bringt, die man sich von ihm erhofft, oder ob man nicht damit einen Flächenbrand auslöst. Bei dem Krieg zwischen den Israelis und den Palästinensern bin ich mir absolut sicher, dass friedliche Lösungen die Gewalt beenden könnten, vorausgesetzt, beide Völker und Systeme wollten dieses wirklich. Der Wille, einen Krieg –in welcher Form auch immer – zu vermeiden, hängt von der Stimmung der Bevölkerung ab. Hass, Rache und Gewaltbereitschaft sind die schlechtesten Voraussetzungen für friedliche Lösungen. Wenn wir in eine friedlichere Zukunft gehen wollen, müssen Hass, Rache und Gewaltbereitschaft abgebaut werden. Das gilt für den Nahen Osten genau so wir für Tschetschenien, Nordirland, Ex-Jugoslawien und für viele anderen Brennpunkte der Welt. Es gilt aber auch für uns, sehr wachsam für den Frieden zu sein, das sollten wir aus Stalingrad gelernt haben.